Members Login

  • slide26.jpg
  • slide23.jpg
  • slide11.jpg
  • slide21.jpg
  • slide15.jpg
  • slide1.jpg
  • slide25.jpg
  • slide28.jpg
  • slide7.jpg
  • slide29.jpg
  • slide27.jpg
  • slide12.jpg
  • slide19.jpg
  • slide20.jpg
  • slide24.jpg
  • slide22.jpg
  • slide1a.jpg
Startseite Sparten Alpencross 2017
Radsport
Alpencross 2017
HRF Alpencross 2017 (Birnlücke)

Ein 8-köpfiges Hausruck-Racing-Team hat sich 2017 das Ziel einer Alpenüberquerung gesteckt.

Die Teilnehmer (in alphabetischer Reihenfolge) waren: 
- Buttinger Manuel (Alpencross-Newbie), 
- Doninger Alexander (Wiederholungstäter; 2. Alpenüberquerung), 
- Doubrava Andreas (Alpencross-Newbie), 
- Kinzelberger Andreas (Alpencross-Newbie), 
- Hemetsberger Andreas (Wiederholungstäter; 3. Alpenüberquerung), 
- Jungwirth Christian (Alpencross-Newbie), 
- Pillichshammer Anton (Alpencross-Newbie), 
- Troppmair Robert (Wiederholungstäter; 2. Alpenüberquerung; Routenplanung)

Die Route führt in 8 Etappen von Vorderkrimml nach Torbole am Gardasee. In dieser Zeit sind etwa 490 km und über 14.000 hm zu überwinden – mit allem, was zu einer Alpenüberquerung dazugehört!

Am Freitag 23. Juni 2017 ist der Tag der Abreise. Wir treffen uns um 06:30 in Frankenburg bei der Bäckerei Pesendorfer und fahren nach einem gemeinsamen Frühstück mit 2 vollbepackten Autos planmäßig um 7 Uhr nach Vorderkrimml.

1. Etappe: Vorderkrimml – Birnlücke, 28 km | 1.800 hm

Wir starten mit unseren Bikes um 11 Uhr bei herrlichem Wetter. Zunächst über asphaltierte Straßen nach Oberkrimml, biegen wir schon bald in die Forststraßen ab und erkämpfen uns die ersten paar hundert Höhenmeter. Entlang der Krimmler Ache finden wir eine urige Hütte zur Einkehr und fahren weiter bis zum Talschluss. Bei den berüchtigten Kuhflecken geht es in den Wanderweg über, ab dem nur mehr Schieben und Tragen angesagt ist.

Wir meistern gemeinsam die Überquerung der reißenden Gebirgsbäche und überwinden einen riesigen Lawinenkegel, der bereits einige Wochen den Weg versperrt. Die extrem steile Tragepassage über die endlosen Serpentinen führt uns zum Pass der Birnlücke (2.668 m), die Grenze zwischen Österreich und Italien. Je nach Kondition und Kraft dauert die 800 hm lange Trag-/Schiebepassage zwischen 2,5 bis 3,5 Stunden.

Die Birnlückenhütte, unser Tagesziel, ist bereits vom Sattel aus zu sehen; es geht über Geröll- und Schneefelder hinab über 200 hm zu unserer Unterkunft. Auch hier ist größtenteils Schieben angesagt, aber die Aussicht auf Abschluss der ersten, extrem anstrengenden, Etappe lässt nun fast alle Schmerzen vergessen.

2. Etappe: Birnlücke – Rodeneckeralm, 76 km | 1.400 hm

Wir starten um 8 Uhr bei 10 Grad auf 2.440 m und haben zunächst den Abstieg von der Birnlücke zu bewältigen. Denn an Fahren ist über die ersten 400 hm hinunter kaum zu denken. Nur wenige Teilabschnitte sind am Sattel möglich. Das vorliegende Ahrntal ist eine kilometerlange abfallende bis flache Abfahrt. Nach 50 km und etwa 0 hm kehren wir in Bruneck zum Mittagessen ein. Erst danach sollten wir unsere Höhenmeter bis zur Rastnerhütte sammeln.

Der Anstieg wird zum Ende hin steiler und die Anstrengung des letzten Tages sitzt so Manchem noch in den Knochen bzw. Muskeln. Endlich, in der ausgezeichneten Unterkunft angelangt, haben wir noch ein paar Minuten die Möglichkeit uns im Liegestuhl mit Apfelstrudel in der Sonne auszuruhen.

Das sollte sich in 2-facher Hinsicht als trügerisch herausstellen: Erstens kippt wenige Minuten später das Wetter und wir sind gezwungen für den kommenden Tag eine alternative Route zu planen. Denn bei strömenden Regen und Gewitter ist die geplante Etappe 3 über die Pässe nicht möglich. Zweitens gibt es ein mehrgängiges Abendessen, dass jedem von uns nochmal alles abverlangt: sehr gute Gerichte in rauen Mengen lassen die Wampe förmlich stehen!

3. Etappe: Rodeneckeralm – St. Ulrich, 66 km | 1.100 hm

Wie erwartet ist das Wetter in der Früh schlecht, um nicht zu sagen miserabel: Donner und Regen wecken uns. Also entscheiden wir uns für die Alternative über das Tal und Straßen und können daher bis Mittag das extrem reichliche und ausgezeichnete Frühstück in der Rastnerhütte genießen.

Aber um 12 Uhr heißt es raus: In Regenkleidung starten wir die Abfahrt und fahren über Brixen und Sauders, weiter durch das kleine Dorf Albionos, die Straße hinauf zu St. Ulrich in unsere Unterkunft. Auch im Garni Vanadis werden wir abends empfangen und spazieren in eine feine Pizzaria zum Abendessen. Wir blicken auf eine etwas eintönige Fahrt zurück und hadern noch etwas, weil natürlich alle lieber über die Berge das Etappenziel erreicht hätten. Aber was soll’s, wir haben ja noch einiges vor uns.

4. Etappe: St. Ulrich – Tiers, 35 km | 1.800 hm

Das sollte eine unserer schönsten Etappen werden, obgleich das Höhenprofil wohl als Drohung ausgelegt werden könnte: eigentlich nur ein langer Anstieg! Das erste Ziel ist die Seiser Alm, Europas größte Hochalm. Das Gebiet wird im Winter als Schiegebeit genutzt und ist stark ausgebaut. Zahlreiche moderne Hotels lassen die herrliche Almenregion stellenweise wie ein modernes Dorf aussehen. Aber unser Weg geht weiter, hoch zur Tierser Alp, ein Pass auf 2.440 m, wo wir auch zu Mittag, draußen auf der Terrasse, essen und etwas entspannen können.

Die herrlichen Trails unterhalb des Roterdspitz bis zum Schlernhaus beinhalten auch wieder einige Tragepassagen. Wir erfreuen uns am technisch herausfordernden Profil und den einmaligen Ausblicken über die gewaltigen Dolomiten. Die lange Trail-Abfahrt beschert uns einen positiven und einen negativen Höhepunkt. Positiv ist die Abfahrt über den berüchtigten Knüppelweg, der uns gleichermaßen beeindruckt wie fordert. Schlechtes Highlight ist der Hinterachsbruch von Kinzi, der in der Folge einen Halbmarathon mit seinem Rad Richtung Unterkunft laufen muss. Ein kleines logistisches Meisterwert ist die Organisation des passenden Ersatzteiles, ohne dem eine Weiterfahrt nicht möglich gewesen wäre. Das Team hilft zusammen und am Abend ist alles wieder gut!

5. Etappe: Tiers – Refavaje, 60 km | 2.000 hm

Von Tiers geht es auf Asphalt auf den Niegerpass (1.668 m). Vor der Abfahrt heißt es wärmer anziehen, denn es wartet eine 25 km lange Fahrt bergab. Ziano ist der letzte Ort vor dem zweiten großen Anstieg mit etwa 1.000 hm und so entschließen wir uns, eine Mittagspause einzulegen. Das Glück bleibt uns treu, denn bei Aufgabe der Essens-Bestellung fängt es an, wie aus Kübeln zu schütten und zu wettern. Nach dem Mahl ist das Ärgste vorüber und wir können unsere Bergetappe in Angriff nehmen.

Beim Aufstieg rasten wir im Rifugio Cauriol, einer kleinen Hütte, die zahlreiche Funde aus dem Ersten Weltkrieg ausstellt. Uns wird klar, dass wir nun in die stark umkämpften Gebiete kommen und die historischen Bauwerke der Stellungen sollten von nun an unseren Weg begleiten. Sehr anstrengende Militärwege und einmal mehr Tragepassagen führen uns zum Passo Sadole (2.066 m), von dem wir nach einer überschaubaren Schiebestrecke den restlichen Trail abfahren können. Uns hat bisher ein wesentliches Ereignis gefehlt: die Reifenpanne. Aber Toni hatte an diesem Tag die Premiere und während er seine Panne beheben konnte, beobachten Andere eine riesige Schafherde, die von einem Schäfer mit 2 Hunden geschickt zusammengehalten wird. Eine beeindruckende Vorführung!

Die nächste Panne – Gott sei Dank erst in der letzten Abfahrt – beschert uns Alex mit einem Seilzug-Riss. Im Rifugio Refavaie kann mit einem Ersatz-Seilzug die Funktion wiederhergestellt werden. Troppi belohnt sich mit einem riesigen Grappa und um 21 Uhr fallen alle müde in’s Bett.

6. Etappe: Refavaie – Barricata, 60 km | 2.000 hm

Ausgeschlafen starten wir in den nächsten Tag; in der Früh sehen wir heute sogar blauen Himmel. Auch heute waren wieder 2 Bergwertungen abzuleisten. Das „warm-up“ über 850 hm – also etwa dem 12er-Horn entsprechend – geht über Forststraßen mit angenehmer Steigung über den Sattel beim Passo Cinque Croci (2.018 m).

Saukalt und windig ist das einzig passende Wort für diesen Wendepunkt; vor der Abfahrt ziehen wir uns warm an, denn wir müssen 1.700 hm loswerden. Im Tal angelangt durchqueren wir mehrere Tunnels, die in die Felswand gesprengt wurden und stellen fest, dass wir uns etwas verfahren haben. Also wieder zurück und Ausschau nach dem Mittagessen. Selva sollte der letzte Ort vor dem finalen Anstieg von über 1.000 hm werden.

Im „Zentrum“ wird es wohl was geben, denken wir... Aber außer einer alten Frau und einem keifenden Köter gibt es hier nur einen Dorfbrunnen. Naja – kein Mittagessen, aber trotzdem kurze Pause. Der letzte Anstieg ist endlos lange: Eine Straße mit zahlreichen Serpentinen, die kein Ende zu nehmen scheint. Und wieder, kurz vor Beginn des nächsten Unwetters, entkommen wir knapp dem Regen und gönnen uns im Rifugio Barricata ein helles Augustiner.

7. Etappe: Barricata – Stella d‘ Italia, 56 km | 1.800 hm

Die heutige Tour führt von Ost nach West in das kleine Schiegebiet Stella d‘ Italia. Und Wow – was für ein Start: gleich mal ein paar hundert Höhenmeter über extrem bockige Forststraßen, die einem ausgetrockneten Flussbett gleichen. Kräfteraubend geht es also los und alle sind froh, dass es nach diesen ersten 14 km wieder abwärtsgeht. Nach einer Stärkung geht es weiter über Militärstraßen. Alte Stellungen sind teilweise mit Schautafeln und historischen Bildern beschrieben und wir entdecken sogar die Kaiser-Karl Straße, welche an die österreichische Zeit erinnert. In der steinernen Tafel ist „bis 1917“ vermerkt. Die schweren Kämpfe in der Frontlinie des Weltkrieges jähren sich in diesem Gebiet zum 100sten mal; keiner von uns kann sich die damaligen schlimmen Zustände in dieser heute so herrlich ruhigen Landschaft vorstellen. 

Bei der Abfahrt auf teils recht lockerem Schotter erfolgt auch der erste und zum Glück einzige Sturz, bei dem Blut fließt. Allerdings ist die Verletzung von Andi D. überschaubar und kein Grund zur Sorge. Die nächste Misere lässt nicht lange auf sich warten: Bei der Abfahrt fällt Easy der Fotoapparat aus der Tasche, der gleich wieder eingesammelt wurde. Dass aber auch noch die SIM-Karte aus dem Fotoapparat herausfällt, bemerkt er erst einige Kilometer bei unserem nächsten Stopp. Verflucht – also nochmal nach oben fahren und die SIM-Karte suchen. Und: Erfolg! Die Nadel im Heuhaufen wurde gefunden. Im Rifugio Stella d‘ Italia kommen alle durchnässt an, denn ein Sturzregen hat uns auf den letzten Metern erwischt.

8. Etappe: Stella d‘ Italia – Torbole, 95 km | 2.200 hm

Die letzte Etappe und die Anstrengung der vergangenen Woche macht sich natürlich bemerkbar. Zeit, dass wir in’s Ziel kommen, heißt es und so treten wir erneut in die Pedale. Raus aus dem Schiegebiet und weiter hinauf auf den Monte Maggio (1.853 m). Danach Trails und Wanderwege hinab Richtung Posina. Zu erwähnen ist, dass wir an diesem Tag 4 Reifenpannen hatten. Wir konnten also hinsichtlich Pannen wieder einiges aufholen, denn diese haben wir ja schon beinahe vermisst.

Der letzte große Anstieg geht über 1.400 hm hinauf zum Monte Pasubio. Die unzähligen Höhlen aus alten Stellungen sind die ständigen Begleiter. Aus der Ferne sehen die Unterkünfte der Soldaten wie zahlreiche Mäuselöcher in den breiten Bergflanken aus. Wir haben natürlich die Möglichkeit, selbst in einige der Unterkünfte zu gehen und diese zu besichtigen. Ebenso passieren wir die Strada delle 52 Gallerie, die wohl meistbesuchte Militär-Versorgungsstraße des Ersten Weltkrieges, welche aus Sicherheitsgründen für Radfahrer gesperrt ist. Vom Pass geht es schlussendlich etwa 2.000 hm bergab – und das über 45 Kilometer.

Die Krönung dieser Alpenüberquerung sind diese herrlichen Trails, die lange Fahrten zulassen und den technisch fortgeschrittenen Fahrer in den absoluten Flow kommen lassen. Alex und Manuel können das leider nicht teilen, denn die beiden haben sich verfahren und wir treffen uns erst weit unten im Tal wieder. Die letzten Kilometer bis Torbole sind flach und als wir den Gardasee in den Blick bekommen, werden auch beim einen oder anderen die Augen nass. Endlich ist das Ziel erreicht, alle sind gesund angekommen und nun heißt es Prost!

Alles Fotos nochmal nach Etappen sortiert gibt es in der Gallerie